Dem SV Darmstadt 98 und Waldhof Mannheim blieb auch nichts erspart. Neunzig Minuten in Darmstadt, neunzig in Mannheim - das dritte Relegationsspiel mußte über den freien Bundesligaplatz entscheiden. Nach neunzig Minuten stand es in Saarbrücken 0:0. Kein Spiel für schwache Nerven. In der Verlängerung fiel auch kein Tor - nach 300 Minuten mußte das Elfmeterschießen entscheiden.

Ausgeglichen wie das Ergebnis auch die Leistung beider Mannschaften - vom Klassenunterschied war nichts zu sehen. Nicht die bessere, die glücklichere Mannschaft spielt in der kommenden Saison in der Bundesliga: Waldhof Mannheim - die Darmstädter Spieler verließen hängenden Kopfes den Platz.

Unglücklicher Auftakt im Elfmeterschießen. Zimmermann pariert Posniaks Schuß, Lux verwandelt dagegen - 1:0 für Waldhof. Anschließend verwandelt Kuhl - und Bockenfeld schießt vorbei. Alles wieder offen, 1:1. Schreml bringt den SV 98 in Führung, Bührer gleicht zum 2:2 aus. Dann bringt Gu Darmstadt nach vorn, Trieb verschießt, der Ex-Mannheimer Emig hat es in der Hand: Trifft er, ist Darmstadt erstklassig - doch Karl-Heinz versagen die Nerven; Zimmermann pariert. Cvetkovic verwandelt - und auch das Elfmeterschießen geht in die Verlängerung. Scholz und Quaisser treffen - 4:4. Dann versagen Darmstadts Routinier Willi Bernecker die Nerven - Klotz bewahrt die Ruhe: 5:4 für Waldhof.

„Bernhard Trares ist in körperlich schlechter Verfassung“, erklärte Darmstadts Trainer Klaus Schlappner die Umstellung in der Mannschaft. Trares zuckte daraufhin nur mit den Schultern: „Ich bin fit." Für ihn spielte Michael Künast. Damit hatte Darmstadts Coach im entscheidenden dritten Relegationsspiel drei Stürmer (Kühl, Gutzler und Künast) aufgeboten. Ein Fingerzeig auf Offensive? „Wer weiß", ließ Schlappner alles offen. Obwohl die Waldhöfer die erste Möglichkeit hatten - Torwart Berg lenkte den Klotz-Schuß (4.) zur Ecke - diktierte Darmstadt das Spielgeschehen. Und in der achten Minute hatte Künast die große Chance für den SV Darmstadt 98. Völlig frei lief er auf Torhüter Zimmermann zu, konnte sich eigentlich die Ecke aussuchen - doch Zimmermann parierte sowohl Künasts Roller als auch den Nachschuß von Gutzler. Nur vier Minuten später eine umstrittene Szene: Jochen Müller legte Freddy Heß im Strafraum, doch der Pfiff von Schiedsrichter Theobald blieb aus. Die Darmstädter Spieler protestierten heftig - aber vergebens. Darmstadt kontrollierte weiter die Waldhöfer, die hart einstiegen. Die erste gelbe Karte sah Bührer (23.), kurz darauf erwischte es allerdings auch die Darmstädter Künast und Scholz. Erst gegen Ende der ersten Hälfte fand Mannheim - bis zu diesem Zeitpunkt harmlos im Angriff, unsicher in der Abwehr - besser zum Spiel. Allerdings hatte Waldhofs Torhüter Zimmermann weit mehr zu tun als sein Darmstädter Kollege Berg. In der 41. Minute mußte er bei einer Flanke von Scholz Kopf und Kragen riskieren, war einen Schritt schneller am Ball als Künast, dem bis dahin gefährlichsten Darmstädter Angreifer. Nach der ersten Halbzeit führte Darmstadt nach Punkten - nach Toren stand es noch 0:0.

Darmstadt hielt an dem Rezept aus der ersten Hälfte fest. Früh störten sie die Mannheimer, die unsicher wurden. Und der SV 98 hatte in der 51. Minute wieder die Führung auf dem Fuß. Diesmal stand Uwe Kühl nach genauem Lachmann-Paß alleine vor Zimmermann, der auch diese Chance zunichte machte. Das Darmstädter Stürmer-Trio wurde im zweiten Abschnitt gesprengt Erst verletzte sich Dieter Gutzler, für ihn kam der Chinese Guangming Gu, Dann wurde Künast von Bockenfeld von den Beinen geholt. Er wurde mit der Trage in die Kabine gebracht. Für ihn kam Schreml, der eigentlich den angeschlagenen Heß hätte ersetzen sollen. Weiter wurde auf beiden Seiten hart eingestiegen, die Masseure hatten alle Hände voll zu tun. Nach der 70. Minute bekam auch die Darmstädter Abwehr mehr Arbeit, Waldhof wurde überlegen. In der 82.Minute brannte es lichterloh, als zweimal Tsionanis abzog. Zunächst rettete Berg, dann schoß Tsionanis einen Mitspieler an. Glück für Darmstadt, als ein Freistoß von Lux (83.) knapp vorbeistrich. Die letzten Minuten der regulären Spielzeit zitterten die Darmstädter über die Zeit - sie schienen mit ihren Kräften am Ende. In der 90. Minute wäre der Bundesligatraum fast ausgeträumt gewesen, Tsionanis' Kopfball strich knapp über die Latte. (Quelle: „Darmstädter Echo“ vom 10.06.1988)

 

3.Relegationsspiel: SVW – SV Darmstadt 98 0:0 n.V., 5:4 n.E., Donnerstag, 09.06.1988, Ludwigspark-Stadion, Saarbrücken / SR: Theobald (Wiebelskirchen), Zuschauer: 17.000 / SVW: Zimmermann – Cvetkovic – Tsionanis, Finke (99.Trieb) – Bockenfeld, Müller, Lux, Quaisser, Schön (61.Schmöller) – Bührer, Klotz – Trainer: Felix Latzke / Darmstadt: Berg – Emig – Lachmann, Bernecker – Scholz, Sanchez, Posniak, Heß, Künast (69.Schreml) – Gutzler (56.Gu), Kuhl – Trainer: Klaus Schlappner / Elfmeterschießen: Zimmermann hält gegen Posniak / 1:0 Lux / 1:1 Kuhl / Bockenfeld schießt links am Tor vorbei / 1:2 Schreml / 2:2 Bührer / 2:3 Gu / Trieb schießt über das Tor / Zimmermann hält gegen Emig / 3:3 Cvetkovic / 3:4 Scholz / 4:3 Quaisser / Bernecker schießt über das Tor / 5:4 Klotz / Gelb: Büher – Künast, Scholz