Zum Bundesliga-Debüt 2:0 gegen Bremen


Die Waldhof-Buben ganz schön frech


Der SV Waldhof kam, sah und siegte - mit einem 2:0 über den deutschen Vizemeister Werder Bremen sorgte der Aufsteiger in die erste Fußball-Bundesliga gleich beim Debüt für einen Paukenschlag! Der Neuling feierte damit im Ludwigshafener Südweststadion vor knapp 42 000 Zuschauern einen Bundesliga-Einstand nach Maß. Herzerfrischender, nicht im System erstarrter Fußball war der Schlüssel zu diesem ersten doppelten Punktgewinn in der deutschen Eliteklasse. Die Art und Weise wie der SV Waldhof die Elf von der Weser in die Schranken wies, nötigte Respekt ab, und sie wurde von den be- geisterten Zuschauern honoriert: Stehende Ovationen gab es für die Waldhöfer zur Halbzeit, die in dieser Verfassung zu einer Bereicherung der Fußball-Bundesliga werden können.


Helle Aufregung im Lager der Bremer schon in der ersten Spielminute, als urplötzlich Alfred Schön frei vor Bremens Schlußmann Burdenski stand. Doch da versagten noch die Nerven. „Da dachte ich zu viel. Ich hätte vielleicht noch einen Schritt laufen sollen11, kommentierte Alfred Schon sein Mißgeschick. Acht Minuten später durfte dann aber doch gejubelt werden: Nach einem Musterpaß von Fritz Walter bot sich Schön, der im weiterenVerlauf zum überragenden Spieler auf dem Feld avancierte, die zweite große Möglichkeit, und diesmal ließ er Burdenski keine Chance. Der SV Waldhof führte1:0 und hatte damit auch die letzten Zweifler auf den Rängen auf seiner Seite. Die junge Truppe wurde in der Folge von der eigenen, aber auch von der Begeisterung der Zuschauer getragen. Schließlich dann die 23. Minute: Neuzugang Detlef Olaidotter paßte geschickt in den Raum, Fritz Walter ließ Bremens Libero Fichtel stehen und schoß eiskalt zum 2:0 ein. Der SV Waldhof befand sich damit auf der Siegesstraße, von der er sich dann auch nicht mehr abbringen ließ. Werder Bremen, in Ludwigshafen keineswegs durch Kampfkraft allein, sondern auch mit Spielwitz und gekonnten Kombinationen in die Schranken gewiesen. Der deutsche Vizemeister fand nie zu seinem Spiel und mußte erkennen, daß mit diesem SV Waldhof nicht gut Kirschen essen ist. Freilich kam der Mannschaft um Libero Günter Sebert entgegen, daß mit Kamp und Fichtel in Bremens Abwehr zwei Akteure standen, die nicht gerade den besten Tag erwischt hatten. Doch ausschlaggebend für den Waldhof-Erfolg war das sicherlich nicht. Das Mehr an gewonnenen Zweikämpfen, der größere Druck aus dem Mittelfeld, das frühe Stören der Bremer beim Spielaufbau, waren schon eher Punkte, die letztlich entscheidend waren. Größere Gefahr kam im ersten Spielabschnitt in Waldhofs Strafraum eigentlich nur zweimal auf. Meier (18.) kam frei zum Schuß, doch verzog der Nationalspieler zu unkonzentriert. Der Pfosten mußte elf Minuten später für Waldhof retten, als Rudi Völler das einzige Mal im Verlauf der neunzig Minuten zum Schuß kam. Ansonsten zeigte sich Waldhofs Abwehr auf dem Posten. Mehr Arbeit hatten die Bremer zu verrichten und hier insbesondere Burdenski. Er entschärfte den Schuß von Olaidotter (13.), war auf dem Posten, als sich nacheinander Walter und Hein (41.) Chancen boten und mußte sich kurz vor dem Pausenpfiff auch bei einem Schuß vor Schön gewaltig strecken.


Die zweiten 45 Minuten waren an Tormöglichkeiten ärmer, weil sich das Geschehen mehr und mehr zwischen den beiden Strafräumen abspielte und Schlappners Elf sichtlich bemüht war, das Ergebnis über die Runden zu bringen. Dennoch: der SV Waldhof dem 3:0 näher, als die Bremer dem Anschlußtreffer. Pech jedoch, daß Fritz Walter (54.) mit seinem herrlichen Kopfball nach einer Flanke von Quaisser nur die Latte traf. Ohne die Leistung der eingesetzten Spieler schmälern zu wollen, ragte ein Mann beim SV Waldhof besonders heraus: Alfred Schön war die überragende Persönlichkeit. Es war eine Augenweide, ihn agieren zu sehen. Kämpferisch stark, technisch versiert und mit großem Tordrang stellte sich der 21jährige vor. Im gleichen Maß, wie man von seiner Leistung begeistert sein durfte, mußte man auf der Gegenseite von Österreichs Nationalspieler Bruno Pezzey enttäuscht sein. Seine größte Tat vollbrachte er in der 52. Minute, als er Schön im Strafraum umstieß und Schiedsrichter Pauly (Rheydt) das Geschehen außerhalb des Strafraumes verlegte. Dennoch bot Pauly insgesamt eine gute Leistung. Werner Helmschrott (Quelle: „Mannheimer Morgen“ vom 15.08.1983)





1.Spieltag: SVW - Werder Bremen 2:0 (2:0), Samstag, 13.08.1983, 15.30 Uhr, Südweststadion / SR: Pauly (Rheydt), Zuschauer: 41.000 / SVW: Zimmermann - Sebert - Knapp, Schlindwein, Dickgießer - Quaisser, Hein, Schön - Olaidotter (63.Scholz), Linz (85.Makan), Walter - Trainer: Klaus Schlappner / Bremen: Burdenski - Fichtel (46.Gruber) - Kamp, Pezzey, Schaaf - Möhlmann, Sidka, Bracht (46.Reinders) - Neubarth, Völler, Meier - Trainer: Otto Rehhagel / Tore: 1:0 Schön (8.), 2:0 Walter (23.) / Gelb: Neubarth