Der SV Waldhof eröffnete vor über 6000 Besuchern mit einem 3:3 (1:2) gegen die SpVgg Fürth die neue Runde. Die Gäste waren wesentlich stärker als erwartet. In der 1. Halbzeit erwiesen sie sich nicht nur spiel- und kampffreudiger, sie gingen auch zweimal in Führung. Erst nach der Pause vermochte sich der SV Waldhof zu steigern, während sich bei den Fürthern Konditionsschwächen bemerkbar machten. Nachdem die Waldhöfer mit 3:2 erstmals in Führung gingen, hatte es den Anschein, als würden sie dieses Treffen, das in spielerischer und technischer Hinsicht zufriedenstellen konnte, als Sieger beenden. Die 3:3-Punkteteilung kann zwar als leistungsgerecht angesprochen werden, auf Grund der Waldhöfer Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel wäre ein knapper Erfolg der Mannheimer Vorstädter ober auch nicht unverdient gewesen. Von den Neuzugängen beeindruckte besonders der Halbrechte Brecht, der zusammen mit Schmitt einen eminent gefährlichen rechten Flügel bildete.

Vor dem Eröffnungsspiel wurde der langjährige Vertragsspieler Walter Kleber vom Waldhof-Präsidenten Julius Walter für zehnjährige SVW-Ligazeit mit einem Blumengebinde geehrt und offiziell verabschiedet. Dann begann vor 6000 Besuchern die Punktspiel-Ouvertüre mit dem unverkennbaren Pfeifkonzert des Frankfurter Alt, der sofort Gelächter auslöste. Waldhofs Start war mühsam und schwer. Sofort mußte Maklicza zwei gefährliche Aufsetzer von Breitschuh unschädlich machen und gleich darauf klärte er mit Kopfball außerhalb des Strafraumes vor dem durchgebrochenen Schneider. Die Waldhöfer verschafften sich durch Schilling und Lederer im Mittelfeld Vorteile und hatten in der 19. Minute, als Schlüter Außenstürmer Schmitt prächtig ins Spiel gebracht hatte, die erste Führungs-Chance. Aber Werner Müller zündete einen Sekundenbruchteil zu spät. Obwohl die spielerisch klug operierenden Fürther stets gefährlich blieben, gewannen die Waldhöfer insbesondere im Angriff an Zusammenhang. Toth, die Pantherkatze im Gästetor parierte die unwahrscheinlichsten Bälle, hatte aber auch mächtig Glück, als W.Müller ihn ausgetrickst hatte und Brecht mit dem Torschuß zögerte. Im dichten Fürther
Abwehrnetz war es für die blau-schwarzen Angreifer schwer. Bande zu finden. Ein Fehlpaß von Walz führte in der 32. Minute zur überraschenden Fürther I:0-Führung. Perras konnte sich dadurch freispielen und überwand auch Maklicza, der zuvor noch abgewehrt hatte. Dieses Tor war unnötig. Ein Bombenfreistoß Schlüters aus 18 m Entfernung bedeutete in der 39. Minute den 1:1-Gleichstand, aber als Tauchmann im Gegenzug Höfig, Walz und Maklicza hinters Licht führte, war die Fürther 2:1-Halbzeitführung perfekt.

Der Generalangriff der Waldhöfer wurde in der 48. Minute mit dem 2:2-Ausgleich belohnt. Im Fürther Strafraum brannte es zehn Minuten lang lichterloh und dazwischen versetzte Brecht die 6000 Besucher mit seinem Tor in die richtige Stimmung. Von Straub war Brecht großartig bedient worden und der Ex-Sandhausener schloß diese Aktion überlegt ab. Beinahe hätte es in der 55. Minute sogar zur 3:2-Führung gereicht, aber Brecht traf mit seinem Rückzieher nur die Querlatte. Erst danach konnten die Kleeblätter sich wieder etwas freimachen, fanden aber nicht mehr die Linie und Form wie vor der Pause, weil man eben Waldhofs Temposteigerung nicht mehr folgen konnte. In der 66.Minute gingen die Waldhöfer erstmals mit 3:2 in Führung. Nach einer Rechtsflanke von Schmitt wurde Straubs Kopfball abgewehrt, Brecht nahm das Leder aus der Luft und schoß mit Vehemenz ins Netz, wobei Torwart Toth die Sicht versperrt war. Die Fürther unternahmen nun verzweifelte Anstrengungen, abermals den Gleichstand herzustellen. Waldhof blieb zwar die spielbestimmende Mannschaft, baute über die beiden Seitenläufer Lederer und Schilling sehr gute Angriffe auf, aber den Stürmern fehlte es in einigen Aktionen an der notwendigen Schußsicherheit. Die Waldhöfer wähnten sich schon als Sieger, als die Fürther in den Schlußminuten vereinzelte, aber sehr gefährliche Gegenstöße unternahmen. Sechs Minuten vor Spielende war es der Halbrechte Tauchmann, der mit einem Überraschungsschuss aus etwa 20 m Entfernung Torwart Maklicza zum dritten Male bezwingen konnte. (Quelle: Mannheimer Morgen, 05.08.1963)

 

 

1.Spieltag: SVW - SpVgg Fürth 3:3 (1:2), Sonntag, 04.08.1963, Waldhof-Stadion / SR: Alt (Frankfurt), Zuschauer: 6.000 / SVW: Maklicza - Preis, Walz - Schilling, Höfig, Lederer - Schmitt, Brecht, W.Müller, Schlüter, Straub - Trainer: Fred Hoffmann / Fürth: Toth - Bauer, R.Schmid - R.Müller, Emmerling, Ehrlinger - Hofmann, Tauchmann, Breitschuh, Schneider, Perras - Trainer: Jenö Vincze / Tore: 0:1 Perras (32.), 1:1 Schlüter (39.), 1:2 Tauchmann (39.), 2:2 Brecht (48.), 3:2 Brecht (68.), 3:3 Tauchmann (84.)