In einem schnellen Spiel, das neben kämpferischen Höhepunkten auch technische Feinheiten hatte, schaltete der SV Waldhof von 6.800 Zuschauern durch Tore von Münchhalfen und Lipponer (Elfmeter) die Braunschweiger Eintracht mit 2:1 aus. Die Mannheimer sind damit wie allgemein (nur nicht in Braunschweig) erwartet, in den Kreis der letzten 16 Bewerber am den DFB-Pokal, dessen Gewinner im K.o.-System ermittelt wird, eingezogen. Die Niedersachsen, eine Elf durchweg unbekannter Spieler, gaben streckenweise einen gleichwertigen Gegner ab, der vor allen Dingen durch seine gefährlichen Innenstürmer für eine Überraschung gut war, aber in der sicheren Waldhof-Deckung seinen Meister fand.

 

Das Spiel begann mit der beinahe üblichen Waldhof-Viertelstunde mit schnellen, aber überhasteten Angriffen über die Flügel und seinem Klein-Klein-Durchspiel des Innensturms. Zwei unvermutete Schüsse von Wozniakowski. die Lennert mit Mühe bewältigt, verraten die explosive Gefährlichkeit des Niedersachsen-Sturrns. Der frühere Dürener Münchhalfen fällt beim SV ebenso wie der Ex-Neckarauer Gärtner durch famosen Einsatz seines Flügelstürmers Lipponer (bzw. Wagner) auf. Vier Ecken und ein Zwanzig-Meter-Strafstoß von Herbold zeugen zwar für die Waldhof-Überlegenheit, bringen aber nichts Zählbares ein.

In der 11. Minute setzte Gärtner Heim ein, der zu Münchhalfen weiterspielte; dessen scharfer Schuß das 1:0 für den Waldhof ergab. Der Spielaufbau der Gäste überläßt viel dem Zufall. Wenn aber Wozniakowski zum Schuß kommt, wird es für Lennert gefährlich, ja man kann direkt von Zweikämpfen dieser beiden Spieler sprechen, wobei einmal nur noch die Querlatte für den bereits geschlagenen Waldhofhüter rettet. Allmählich kommen die von Edmund Conen trainierten Blau-Gelben aus Braunschweig auf, aber die Waldhofdeckung, vornehmlich Trautmann, Herbold und Schall, schirmt vortrefflich den eigenen Strafraum ab. Heim wird aus der Tiefe einige Male gut bedient, aber sein zu langes Zögern verrät keine großen Mittelstürmerqualitäten. Hierdurch, sowie durch Wagners oft unbeholfene Ballbehandlung, verliert das Waldhof-Sturmspiel etwas Linie. Einen Triumph des Zufalls feierte die kleine Braunschweiger Kolonie, als in der 31. Minute Lennert Abschlag vom Torkreis macht, dem kurz davor stehenden Herbold auf den Rücken schießt, von wo der Ball zum lauernden Herz springt, der leicht zum 1:1 das leereTor trifft.

 

Wendtlands „Pausenspritze" und der Rückenwind ließen den blau-schwarzen Sturm nach dem Wechsel aktiver werden. Allerdings vorerst ohne Erfolg, da der Wind die ohnehin schon ungenauen Schüsse von Heim, Wagner und Gärtner noch weiter vom Tor abdrehte. Eine Kette kleiner Fouls, von den Braunschweigern unnötig verursacht, findet ihre „Krönung" im blau-gelben Strafraum, als Oberländer bei einem Gedränge einen Waldhöfer "umlegt". Der ausgezeichnete Schiedsrichter Wershoven (Euskirchen) zeigt trotz heftiger Braunschweiger Proteste auf den „berühmten Punkt". Lipponers Schuß läßt Senftleben keine Chance. 2:1 in der 60. Minute! Der durch den einsetzenden Regen glatte Rasen verwandelt das Spiel häufig in einzelne Rutschpartien. Vergeblich bemühen sich Herbold und der mit bemerkenswerter Luftreserve ausgestattete Berger (früher Marathon Remscheid), um Ankurbelungen des eigenen Sturmspieles. Vergebens! Die Braunschweiger laufen um jeden Ball, und als zwei Oberländer-Schüsse in Lennert ihren Meister finden, wirft 10 Minuten vor Schluß Oberländer den Waldhofhüter unfair mit dem Ball über die Linie. Natürlich kein Tor.

Die restliche Spielzeit brachte noch einmal bange Minuten für den Waldhof-Anhang, weil die Niedersachsen nicht locker lassen Aber die Deckung halt dicht und beim Schlußpfiff hat der Waldhof einen knappen, aber verdienten Sieg errungen.

 

Beim Waldhof schlug das Mittelstürmer-Quartett mit Heim nicht ein. Vielleicht entschließt sich Trainer Wendtland doch für Lipponer, der aus Rechtsaußen nicht wie gewohnt zur Geltung kam. Münchhalfen, intelligent und beweglich, bedeutet einen Gewinn, ebenso der fleißige Gärtner. Wagner spielte zu umständlich. In der Abwehr waren Trautmann. Herbold und Lennert die herausragenden Kräfte. Die besten Braunschweiger: Oberländer, Wozniakowski und Senftleben. Kim (Quelle: Mannheimer Morgen 18.August 1952)



1.Hauptrunde: SVW - Eintracht Braunschweig 2:1 (2:1), Sonntag, 17.08.1952, Waldhof-Stadion / SR: Wershoven (Euskirchen), Zuschauer: 6.800 / SVW: Lennert - F.Rößling, Schall - Herbold, Trautmann, Berger - Lipponer, Münchhalfen, Heim, Gärtner, Wagner - Trainer: Hans Wendtlandt / Braunschweig: Senftleben - Müller, Malberg - Ley, Thamm, Ruhnke - Spohrs, Herz, Oberländer, Wozniakowski, Dr.Heper - Trainer: Edmund Conen / Tore: 1:0 Münchhalfen (11.), 1:1 Herz (31.), 2:1 Lipponer (60., Foulelfmeter von Oberländer)