Bericht Saison 1945/46

 

Die Auswirkungen von zwölf Jahren Nationalsozialismus und von sechs Jahren Krieg, Hunger und Bombardierungen waren verheerend:


Von knapp 300.000 im Jahr 1939 war die Einwohnerzahl Mannheims um rund die Hälfte zurück gegangen.Kriegstote, Evakuierungen, Kriegsgefangene - der Schicksale gab es viele, die die Menechcn weg von Rhein und Neckar in die Fremde getrieben hatten. Diejenigen, die dageblieben waren und überlebt hatten, lebten in Bunkern, Ruinen und
Notunterkünften und litten am allgemeinen Mangel an lebensnotwendigen Gütern. In der US-amerikanischen Besatzungszone betrug die Tagesration für eine Person 1.000 Kalorien. Der Schwarzmarkt blühte, und als Zweitwährung außer den üblichen Tauschobjekten dienten US-Zigaretten wie Lucky Strike oder Salem.


Die Menschen streckten ihre Fühler nach allem aus, was sie nur irgendwie brauchen konnten. Zigarettenkippen wurden von der Straße aufgesammelt, der Kohlenklau ging um, und auch die Spielstätten der Fußballvereine, die über Holztribünen verfügten wie der SV Waldhof, blieben nicht verschont. Nachdem während des Kriegs schon das Clubhaus zerstört worden war und wertvolle Utensilien und Dokumente verloren gegangen waren, demontierten nun frierende Menschen, aberauch skrupellose Zwischenhändler die Holztribüne des Stadions und machten mit dem Holz Feuer, um sich zu wärmen oder verkauften es
schamlos an die Armen.


Im Herbst 1945 regten sich in Süddeutschland schon wieder die ersten Fußballgeister. Am 22. September kamen in der Nähe von Stuttgart Vertreter von 16 Vereinen zusammen und beschlossen die Gründung einer gemeinsamen Liga. Um dies in die Realität umzusetzen, bedurfte es jedoch der Genehmigung durch die US-Verwaltung. Sie erwies sich im Gegensatz zu der französischen Besatzungsmacht, die in der Pfalz und in Südbaden das Sagen hatte, als liberal und großzügig. Und so erteilte der Stuttgarter Stadtkommandant Jackson die Lizenz für eine Saison, die am 4. November starten konnte. Doch auf Grund der Auswirkungen des Krieges gab es eine Menge praktischer Hindernisse, die einen geregeltenSpielbetriebschwierig  machten. Hans Decken vom l.FC Schweinfurt 05, später DFB-Funktionär, zählte die Hürden auf: Zerstörte Bahnnetze, Benzinknappheit, streng rationierte Lebensmittel-Zuteilungen, teilzerstörte Hotels und Gasthöfe, Mangel an Sportkleidung und Sportmaterial, Wiederaufbau bedürftiger Stadien und Sportplätze waren die Merkmale bei Beginn der ersten Meisterschaftsrunde 1945/46.


Drei hessische, sieben bayrische und sechs Vereine aus Nordbaden und Württemberg gingen an den Start in einer Oberliga Süd der Stadtpärchen aus München, Frankrurt / Offenbach, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Nürnberg / Fürth. Diese Konzentration auf die größerenStädte des Südens hatte seinen Grund darin, dass wegen des Mangels in  der Gesellschaft die Fahrwege so kurz, wie möglich gehalten werden sollten. So grenzt es fast an ein Wunder, dass am Ende alle 30 Spieltage komplett gespielt waren. Ihre ersten Auswärtsfahrten machten die Spieler des SVW mit dem LKW von Ernst Drayß. Auf dem Gerährt versorgte man sich mit Wurst und Wein - die Wurst gegen den Hunger und zur Stärkung, den Wein gegen die Kälte. Leider existieren, da es nur wenige Zeitungen gab und andere Themen weitaus wichtiger waren als der Sport, nur wenige Berichte von den Spielen.