Bericht Saison 1919/20

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges wurde das Verbandsgebiet vom Süddeutschen Fußball-Verband in vier Gruppen zu je 2 Kreisen eingeteilt. Die oberste Liga spielte auf Kreisebene, die Ligen darunter auf Gauebene. Die Mannheimer Vereine spielten im Gau Mannheim des Rheinkreises innerhalb der Westgruppe. Aufgrund der Besetzung der Pfalz durch französische Truppen und den damit verbundenen Reiseschwierigkeiten wurde hier nochmals eine Trennung in pfalzkreis und Odenwaldkreis vorgenommen. Dieser Odenwaldkreis umfasste den Rhein-Neckar-Raum und Südhessen.

 

Durch das hervorragende Abschneiden des SVW in den Frühjahrs-Verbandsspielen konnte sich der verein auf Anhieb für die oberste Liga qualifizieren und erstmals unter "normalen" Bedingungen mit den besten Vereinen der Region messen. Bereits nach wenigen Spieltagen war klar, dass für die Meisterschaft nur der VfR, Phönix und der SVW in Frage kamen. Nach Ende der Vorrunde führten der SVW und der VfR mit je 17:1 Punkten die Tabelle vor Phönix mit 14:4 Punkten an. Im scheinbar vorentscheidenden Spitzenspiel schlug der VfR am 13. Spieltag den SVW mit 2:0 und hatte nun einen Punkt Vorsprung, büsste diesen aber am nächsten Spieltag in Aschaffenburg wieder ein. Für beide Vereine folgten nur noch Siege, so dass in der Abschlußtabelle beide punktgleich waren. Das wesentlich bessere Torverhältnis des SVW spielte damals noch keine Rolle, so dass ein Entscheidungsspiel stattfinden musste. Dieses wurde in Karlsruhe ausgetragen. Nach Ende der regülaren Spielzeit stand es 0:0, nach Verlängerung 1:1. In der zweiten Verlängerung verletzten sich vier VfR-Spieler, so dass der Schiedsrichter das Spiel nach 157 Minuten abbrechen musste. Zwei Wochen später, am 28.03.1920 fand das Wiederholungsspiel, diesmal auf dem Mannheimer Phönix-Platz vor 12000 Zuschauern statt. Mit einem klaren 4:1 Sieg eroberte der SVW den ersten Titel des "Odenwaldkreis-Meisters"!

 

Erstmals konnte der SVW nun um die Süddeutsche Meisterschaft spielen. Diese wurde zunächst in 4 Vorunden-Gruppen der Kreismeister ausgetragen. Bereits im ersten Spiel erwartetet man die Übermannschaft der damaligen Zeit, den 1.FC Nürnberg. Am 11.04.1920 sorgte Sepp Herberger vor der Rekordkulisse von 13000 Zuschauern für 2 Tore zum sensationellen 2:1 Sieg. Allerdings siegte einmal mehr die Bürokratie des Süddeutschen Fußball-Verbandes über den Sport: Da die Nürnberger Spieler Stuhlfauth und Kalb am gleichen Tag ein Auswahlspiel des Verbandes in Hamburg bestreiten mussten, legte der 1.FC Nürnberg Protest gegen das verlorene Spiel ein und erreichte damit dessen Annullierung und ein Wiederholungsspiel. Trotz einer 3:1 Pausenführung verlor der SVW mit 3:4, nachdem bereits das Rückspiel in Nürnberg mit 1:6 verloren ging. Damit war der Traum von einem Weiterkommen vorbei. Immerhin holte der SVW noch drei Siege aus den restlichen vier Spielen und belegte schließlich den 2.Platz in der Abschlußtabelle.

 

Auch im süddeutschen verbandspokal konnte der SVW erstmals Erfolge feiern. Nach Siegen über Neckarau, Lindenhof, VfR und Phönix traf man im Halbfinale auf den VfR Frankfurt, der 3:2 besiegt wurde. Das Finale ging allerdings mit 2:5 beim SC Stuttgart verloren.

 

Zum Abschluss der Saison gewann der SVW schließlich überlegen die Meisterschaftsrunde um das "Mannheimer Silberschiff". Damit endete die bislang erfolgreichste Saison mit einer Spielweise, die auch überregional als "Waldhof-Schule" bekannt wurde und den Grundstein für die Erfolge der nächsten Jahre legte.

Ende April 1920 schlossen sich der SVW und der Turnverein 1877 Mannheim-Waldhof zusammen. Über die Gründe dieser Fusion ist nichts Näheres bekannt. Vermutlich waren finanzielle und soziale Aspekte der Hintergrund für diese Zweckgemeinschaft. Sportlich stellte sie auf jeden Fall für keine Seite eine Verbesserung dar. Die Gemeinschaft war von Anfang an von Streitigkeiten überschattet und sollte nur 5 Jahre dauern. Der neue Verein hatte nun 1140 Mitglieder. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Josef Rausch vom SVW, zum Zweiten Vorsitzenden August Neutz vom TV 1877 bestimmt. Die offizielle Abkürzung lauetet von nun an "SpuTv Waldhof". Aus Vereinfachungsgründen wird auf dieser Seite aber weiterhin "SVW" benutzt.

 

Erstmals sind aus dieser Saison Betreuer der Mannschaft bekannt. Ob Heinrich Hölzer und Jakob Gentner, die diese Position innehatten eher den sportlichen Bereich (Trainer) oder der organisatorischen Bereich (Spielausschuß) abdeckten ist leider nicht bekannt.